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International Scientific Network - Late Antique Hilltop Settlements in Europe (LAHIS)

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Über das Netzwerk

Das internationale wissenschaftliche Netzwerk „LAHIS“ (Late Antique Hilltop Settlements in Europe = Spätantike Höhensiedlungen in Europa) besteht seit 2022. Ziel ist eine interdisziplinäre und internationale Plattform für den Austausch und die Wissensvermittlung zur typischen Siedlungsform der Höhensiedlung. Im LAHIS-Netzwerk sind 40 ArchäologInnen und HistorikerInnen aus 18 Ländern Europas vertreten. Mit einem gesamteuropäischen Blick auf die Höhensiedlungen sollen Forschungskompetenzen gebündelt, Theorien, Methoden sowie Forschungsstand und -perspektiven vergleichend betrachtet und diskutiert werden. Darüber hinaus stehen das Sammeln und die Vermittlung unseres Wissens über spätantike Höhensiedlungen im Fokus des Netzwerks. Neben der Entwicklung einer Datenbank wird eine an die breite Öffentlichkeit gerichtete Ausstellung über spätantike Höhensiedlungen in Frankfurt am Main, Ljubljana und Zagreb konzipiert.

Spätantike Höhensiedlungen in Europa

Siedlungen in topographisch signifikanter Position oder exponierter Lage werden in der Forschung als Höhensiedlungen oder Höhenfestungen bezeichnet. Viele dieser Plätze wurden über die Jahrhunderte hinweg immer wieder besetzt: von der bronzezeitlichen Befestigung bis hin zur hochmittelalterlichen Burg. Im kulturellen, lokalen Gedächtnis werden mit diesen Orten neben kultisch-religiösen vielfach auch identitätsstiftende und vielleicht legitimierende Vorstellungen verbunden. 
Der Wechsel vom Tal zur Anhöhe während der Spätantike kann erst vor dem Hintergrund der Transformation der römischen Welt erforscht und erklärt werden. Obwohl Höhensiedlungen in der kulturellen Neuausrichtung vieler Regionen zwischen Antike und Mittelalter eine wichtige Rolle zugesprochen wird, fehlt es an einer Einordnung des Phänomens. Höhenanlagen sind bereits ab dem 3./4. Jahrhundert innerhalb und im Vorfeld der Grenzen des Imperium Romanum bekannt und gewinnen während des 5./6. Jahrhunderts mit dem Rückgang der antiken urbanen Landschaft und der staatlichen Kontrolle verstärkt an Bedeutung. Je nach ihrem politischem Umfeld und ihrem Befund- sowie Fundspektrum können Höhenanlagen unterschiedliche Funktionen erfüllt haben, ob als kurzfristig besiedeltes Refugium, als Fluchtburg bzw. als Militärstation oder als dauerhaft angelegte Siedlung, als sakrales Zentrum bzw. regionaler und/oder überregionaler Herrschaftssitz. Die zeitlichen Entwicklungsebenen haben unterschiedliche Erscheinungsformen der Höhensiedlungen hervorgebracht, die Beweggründe und Verortung spielen dabei ebenfalls eine wichtige Rolle.